Berufsunfähigkeits­versicherung Ratgeber: Ein Muss für alle Arbeitnehmer!

– veröffentlicht am 02. Oktober 2018, Lesezeit: 12 Minuten –

Oft stehen besonders junge Menschen, die gerade in ihr Berufsleben gestartet sind, vor einem Haufen an Aufgaben. Mit der Erzielung des ersten eigenen Einkommens werden plötzlich Versicherungen notwendig. Doch welche Versicherungen benötigen wir überhaupt? Dazu ein Beispiel: Bürojob – jeden Tag acht Stunden Schreibtischarbeit. Nach einigen Jahren treten vermehrt Rückenprobleme auf. Höllische Schmerzen, die ein normales Arbeiten unmöglich machen. Die Folge: Berufsunfähigkeit! Und damit einhergehend auch ein stark vermindertes Einkommen. Ein möglicher Ausweg: Die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Doch was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz auch BU Versicherung oder einfach BU)? Warum sollte ich eine solche Versicherung abschließen – ich bin doch jung und gesund. Unser Ratgeber zeigt Dir, wie die Berufsunfähigkeitsversicherung funktioniert und warum sie sinnvoll ist. Im zweiten Teil klären wir über die wichtigsten Leistungen auf und zeigen Dir, worauf Du beim Abschluss einer BU beachten solltest.

Was ist die Berufsunfähigkeits­versicherung?

Die BU Versicherung zählt grundlegend zu den Versicherungen zur Invaliditätsabsicherung. Weitere Invaliditätsversicherungen sind zum Beispiel die Unfallversicherung. Eine BU kann kombiniert werden mit Lebensversicherungen oder einer Rentenversicherung und fungiert in solchen Fällen als Zusatzversicherung. Viele Versicherungsgesellschaften bieten mittlerweile jedoch eigenständige BU Versicherungen an.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung verfolgt den Zweck, dass jemand, der berufsunfähig oder gar erwerbsunfähig wird und kein Einkommen mehr erzielen kann, trotzdem seinen Lebensstandard halten kann und gemäß §172 Abs. 1 VVG eine Rente von der Versicherung erhält.

Berufsunfähig ist, „wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann“ (§172 Abs. 2 VVG).

Selbstverständlich erhalten berufsunfähige oder erwerbsunfähige Personen auch eine Rente der gesetzlichen Rentenversicherung, die Erwerbsminderungsrente oder die Erwerbsunfähigkeitsrente. Diese Leistungen reichen in der Regel jedoch bei weitem nicht aus, um den Lebensstandard halten zu können. Eine private Absicherung in Form einer BU Versicherung ist daher unerlässlich.

Wie funktioniert die Berufsunfähigkeits­versicherung?

Nachdem nun geklärt wurde, was eine BU ist, stellt sich jetzt die Frage, wie eine solche Versicherung funktioniert? Eine Berufsunfähigkeitsversicherung leistet immer dann, wenn der Versicherte aufgrund einer Krankheit keiner Arbeit mehr nachgehen kann und somit kein Einkommen bezieht. Sie soll durch die Zahlung das wegfallende Einkommen kompensieren. Eine BU leistet übrigens auch dann, wenn der Versicherte in seinem erlernten Job nicht mehr arbeiten kann, in jedem anderen Job jedoch arbeiten könnte.

Warum der Arbeitnehmer nicht mehr arbeiten kann, spielt keine Rolle. Der Grund darf nur nicht absichtlich herbeigeführt worden sein. Oft leisten solche Versicherungen schon, wenn der Arbeitnehmer zu 50 Prozent berufsunfähig ist, er also die Hälfte seiner Leistungsfähigkeit verloren hat. Zum Nachweis benötigt der Versicherte zwar häufig diverse ärztliche Bescheinigungen, Beschreibungen der Tätigkeit und oft auch Besuche der Versicherungsärzte. Wenn die Diagnose allerdings feststeht, zahlt die Versicherung die vereinbarte Leistung.

Unterschied Berufsunfähigkeits­versicherung und Erwerbunfähigkeits­versicherung

Im Unterschied zur BU Versicherung leistet eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung ausschließlich dann, wenn der Versicherte überhaupt keiner Arbeit mehr nachgehen kann. Das bedeutet, wenn er oder sie komplett erwerbsunfähig ist. Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist dadurch günstiger und weniger streng als die BU. Der Schutz ist jedoch nicht so umfassend, sodass Experten immer eine BU Versicherung empfehlen. Wenn Dich aufgrund von Vorerkrankungen oder einem zu risikobehafteten Job die Versicherung ablehnt, ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung eine günstige Alternative, um Dich dennoch gegen den Verlust der Arbeitskraft abzusichern.

Unterschied Berufsunfähigkeits­versicherung und Arbeitsunfähigkeits­versicherung

Eine Arbeitsunfähigkeitsversicherung bietet den Vorteil, dass der Versicherungsnehmer nicht dauerhaft arbeitsunfähig sein muss. Das heißt, wenn Du aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend nicht arbeiten kannst, giltst Du als arbeitsunfähig. Das kann zum Beispiel aufgrund eines Beinbruchs oder einer schweren Erkrankung sein. Im Gegenteil zur Erwerbsunfähigkeit besteht jedoch Aussicht auf Besserung. Viele Versicherungen bieten Zusatzbausteine an, sodass aus einer BU Versicherung eine Arbeitsunfähigkeitsversicherung werden kann und somit der Versicherte bereits eine Berufsunfähigkeitsrente beziehen kann, obwohl der Invaliditätsgrad von 50% nicht erreicht und er somit nicht berufsunfähig ist.

Warum ist eine Berufsunfähigkeits­versicherung sinnvoll?

„Ich bin jung und gesund, ich brauche eine solche Versicherung nicht.“ – viele jungen Menschen argumentieren so, doch gilt das auch für die BU? Noch vor einigen Jahren haben auch Menschen, die aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr arbeiten konnten, eine ausreichende Rente von der gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt bekommen. Das ist heutzutage leider nicht mehr der Fall.

Unzureichende Erwerbsminderungsrente

Grundsätzlich gilt: Jedem, der in seinem Leben für mindestens 36 Monate mit einer Arbeitsstelle in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat und dann berufsunfähig wird, steht eine Erwerbsminderungsrente zu. Bis zum Jahre 2001 gab es in Deutschland noch eine Erwerbunfähigkeitsrente, welche durch die Erwerbsminderungsrente ersetzt und die Leistungen gekürzt wurden. Im Jahr 2016 lag die Erwerbsminderungsrente laut Statistiken der Deutschen Rentenversicherung durchschnittlich bei nur etwa 760 Euro monatlich. Außerdem steht sie nur denjenigen zu, die keine drei Stunden am Tag mehr arbeiten können – unabhängig von der Art der Tätigkeit. Hierbei kommt es also nicht auf die Vortätigen oder die Qualifikationen an.

Ein Beispiel: Ein Top-Manager eines Automobilkonzerns bekommt keine Erwerbsminderungsrente, wenn er trotz einer Krankheit noch stundenweise als Hausmeister arbeiten könnte. Erwerbsminderungsrente in voller Höhe bekommt also nur jemand, der in keinem Beruf mehr als drei Stunden am Tag arbeiten kann.

Vielfältige Ursachen für Berufsunfähigkeit

Ursachen für den Eintritt einer Berufsunfähigkeit oder Erwerbsminderung gibt es viele. Eine Berufsunfähigkeit wird heutzutage am häufigsten durch eine Nerven- bzw. psychische Erkrankung hervorgerufen. Berufsunfähig sind häufig auch Krebspatienten oder Patienten mit Erkrankungen des Herzens oder der Gefäße. Auch Unfälle und Erkrankungen des Skelettes führen zu einer Erwerbsminderung oder gar einer Erwerbsunfähigkeit.

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat beispielsweise in einem Urteil im Jahr 2008 entschieden, dass auch ein an dem Burn-Out-Syndrom erkrankter Angestellter erwerbsunfähig bzw. berufsunfähig ist und damit Anspruch auf eine Rente in Form von BU Rente erhalten muss. Das Oberlandesgericht Dresden hat einer Auszubildenden, die an einer Gehirnblutung litt, in einem Urteil im Jahr 2007 Recht zugesprochen, eine Rente ihrer BU Versicherung verlangen zu können. Die Versicherung hatte in diesem Fall argumentiert, dass Auszubildende weder berufsunfähig noch erwerbsunfähig sein können, da sie noch keinen Beruf erlernt haben. Dies ließ das Gericht nicht gelten.

Wer braucht eine Berufsunfähigkeits­versicherung?

Wie die Beispiele zeigen, ist es daher umso wichtiger eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abzuschließen. Das gilt insbesondere für:

  • Alleinverdiener
  • Selbstständige
  • Berufsanfänger

Auch für Hausfrauen und Hausmänner kann eine BU sinnvoll sein, dabei ist jedoch auf die Leistungen zu achten. Die Beiträge sind nämlich oft ausgesprochen teuer und auch noch mit einer geringen Rente im Leistungsfall versehen. Für Beamte bietet sich eine Dienstunfähigkeitsversicherung an, da bei Beamten zwischen Berufs- und Dienstunfähigkeit unterschieden wird. Allerdings haben Beamte aufgrund ihres besonderen Status eine deutlich bessere Absicherung im Falle einer Dienstunfähigkeit als Angestellte oder Selbstständige. Nach fünf Dienstjahren liegt das Niveau des sogenannten Ruhegehalts bereits deutlich über der durchschnittlichen Erwerbsminderungsrente.

Wer sich den Beitrag sparen möchte, kommt häufig auf die Idee, das Geld, das sonst als Prämie der Versicherung zugeflossen wäre, eigenständig zu sparen und im Bedarfsfall darauf zurückzugreifen. Das mag in gewissen Punkten funktionieren, weil die Berufsunfähigkeit beispielsweise erst kurz vor Eintritt ins Rentenalter auftritt und nur ein kurzer Zeitraum mit einer Erwerbsminderungsrente überbrückt werden muss oder die Berufsunfähigkeit nur über einen kurzen Zeitraum besteht. Sobald die Überbrückungszeit der Krankheit oder bis zur Rente allerdings längerfristig wird, können die Kosten hierfür extrem ansteigen. Aktuelle Studien zeigen, dass eine Berufsunfähigkeit durchschnittlich im Alter von 51 Jahren eintritt. Bei einem angedachten Einstiegsalter in die gesetzliche Rente von 67 Jahren müssten so 16 Jahre überbrückt werden. Selbst bei geringen Lebenshaltungskosten von 1.500 Euro monatlich, müsste in diesem Fall ein Vermögen von 288.000 Euro vorhanden sein, um die Kosten zu decken.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist also neben der privaten Haftpflichtversicherung eine der wichtigsten Absicherungen. Die Frage bleibt lediglich: Kann ich mir eine BU leisten?

Was kostet eine Berufsunfähigkeits­versicherung?

Aufgrund des umfassenden Schutzes einer Berufsunfähigkeitsversicherung (im Vergleich zu einer Arbeitsunfähigkeitsversicherung oder der Erwerbsunfähigkeitsversicherung) sind die Kosten nicht zu unterschätzen.

Einflussfaktoren der BU Kosten: Leistungssumme

Wie bei allen Versicherungen beeinflussen verschiedene Faktoren die Beitragshöhe enorm. Zum einen ist der Beitrag abhängig von der im Schadensfall zu zahlenden Leistung. Je höher diese Zahlungen ausfallen, desto höher ist logischerweise auch der Beitrag.

Einflussfaktoren der BU Kosten: Beruf

Weiterhin ist der Beruf außerordentlich entscheidend und welche Hobbys oder Krankheiten der Versicherungsnehmer hat. Generell gilt, dass riskante Berufe und Hobbys den Beitrag steigen lassen. Der Beitrag wird unter anderem daran bemessen, wie wahrscheinlich ein Schadenfall ist. Hierdurch werden Berufe im Pflege- und Handwerkerbereich stark benachteiligt. Die Wahrscheinlichkeit als Dachdecker vor dem Renteneintrittsalter berufsunfähig zu werden ist deutlich höher als bei einem Schreibtischjob. Dieses Prinzip führt häufig dazu, dass Menschen mit Berufen, in denen das höchste Risiko besteht, ihre Versicherung überhaupt nicht bezahlen können oder überhaupt gar keine Versicherungsgesellschaft finden, die das Risiko übernehmen. Hierzu zählen zum Beispiel Piloten, Fluglotsen, aber auch Tauchlehrer und Künstler.

Einflussfaktoren der BU Kosten: Hobbys

Ebenfalls wird der Beitrag durch die Hobbys beeinflusst. Wer beispielweise gerne reitet, klettert oder gefährliche Sportarten betreibt, wird mit einem höheren Beitrag leben müssen als ein vergleichbarer Bekannter, der eben nicht klettert. Die Faktoren Beruf und Hobby fallen jedoch bei jedem Anbieter unterschiedlich stark ins Gewicht. Denn jede Versicherungsgesellschaft bewertet Risiken anders. Daher kann es durchaus sein, dass eine bestimmte Beruf-Hobby-Kombination bei einem Anbieter einen extrem hohen Beitrag hervorruft, bei einem anderen Anbieter jedoch kaum ins Gewicht fällt. Hier lohnt sich also ein Vergleich.

Einflussfaktoren der BU Kosten: Krankheitsgeschichte

Neben den beruflichen Tätigkeiten und den Hobbys des Versicherungsnehmers ist auch die Krankheitsgeschichte für den Beitrag maßgebend entscheidend. Viele Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes Typ 1 oder Epilepsie, aber auch teilweise Allergien oder selbst ausgeheilte Rückenbeschwerden stehen einer Versicherung vollkommen im Weg. Liegt eine dieser Erkrankungen vor, schließt die Versicherung keine Police mit dem Versicherungsnehmer ab. Im Falle einer Erwerbsunfähigkeit dieser Person zahlt die Versicherung daher keine Rente.

ACHTUNG: Auf keinen Fall solltest Du solche Krankheiten verschweigen. Im Falle eines Leistungsanspruchs forscht die Versicherung sehr genau in den Krankenakten des Betroffenen nach. Wird eine verschwiegene Krankheit entdeckt, hat dies einen Leistungsausschluss bis zur Kündigung durch die Versicherung zur Folge. Es empfiehlt sich daher, vorab nochmal beim Hausarzt eine Liste mit bisherigen Behandlungen anzufordern und alte Belege zu sammeln. Eventuell fordern Versicherungen sogar ärztliche Atteste nach.

Was sollte ich beim Abschluss einer Berufsunfähigkeits­versicherung beachten?

Das Negative vorab: Berufsunfähigkeitsversicherungen lehnen häufig Leistungsanträge ab. Wird der Versicherungsnehmer berufsunfähig oder erwerbsunfähig, muss der Versicherer leisten. In diesem Fall kommen häufig, bedingt durch die langen Rentenzahlungen, hohe Kosten auf den Versicherer zu. Dieses versuchen viele Versicherungen zu umgehen und lehnen daher erstmal Leistungsanträge kategorisch ab. Die Versicherungen bemängeln oft, dass Krankheiten nicht wahrheitsgemäß oder gar verschwiegen wurden, Kunden die Berufsunfähigkeit nur vortäuschen oder nur Leistungen erschleichen wollen.

Rechtsschutz­versicherung für Durchsetzung der Leistungsansprüche

Leistungsansprüche gegen Versicherungen – notfalls gerichtlich – durchzusetzen, erfordert nicht nur starke Nerven und große Geduld, sondern auch ein finanzielles Polster, damit trotz der Berufsunfähigkeit die Anwalts- und Gerichtskosten gezahlt werden können. Aus diesem Grund empfiehlt es sich dringend, vor dem Abschluss einer BU auch eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen, welche die Anwalts- und Gerichtskosten abdeckt. Diese muss allerdings mindestens drei Monate vor der BU Versicherung abgeschlossen worden sein. Ansonsten würde sie bei einer sogenannten Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflichten, also Verschweigen einer Krankheit, nicht leisten. Beide Versicherungen sollten möglichst nicht bei demselben Anbieter sein.

BU-Abschluss so früh wie möglich

Wie bereits dargestellt, beeinflussen die Krankheitsgeschichte und das Alter maßgeblich die Höhe der Prämie. Statistisch gesehen sind jüngere Menschen einfach gesünder als ältere und haben eine kürze Krankenakte, die die Beiträge nach oben schnell lassen könnte. Es empfiehlt sich also eine Berufsunfähigkeitsversicherung so früh wie möglich abzuschließen. Im Idealfall sobald das erste eigene Einkommen vorhanden ist.

Einige Versicherungen bieten spezielle Berufsstarterversicherungen an, die in den ersten Jahren sehr günstig sind und bei denen der Beitrag mit den Folgejahren steigt. Dieser Baustein nennt sich Nachversicherungsgarantie. Teilweise bieten Versicherungen die Nachversicherungsgarantie auch für in Aussicht stehende Gehaltsprünge an. Es empfiehlt sich daher, die Versicherungsbedingungen auf eine Nachversicherungsgarantie zu prüfen – denn mit steigendem Einkommen steigen auch die Lebenshaltungskosten und somit auch eine eventuelle Rente der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Höhe der BU Rente

Die Höhe der Rentenleistung ist eine der wichtigsten – und den Beitrag am meisten beeinflussende – Fragen vor Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

Unsere Faustformel: 80 Prozent des derzeitigen oder zukünftigen Nettoeinkommens müssen durch die Berufsunfähigkeitsversicherung gedeckt sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, schreibt sich die jährlichen Ausgaben auf und teilt diese durch zwölf. Einkommen aus eigener Vermögensverwaltung und Vermietung und Verpachtung fließen weiter, obwohl eine Berufsunfähigkeit vorliegt. Sie können daher die Leistung einer Berufsunfähigkeitsversicherung mindern. Ebenso kann eine private Rentenversicherung angerechnet werden und die Leistung mindern.

Wahl zwischen eigenständiger BU und BU als Zusatzversicherung

Berufsunfähigkeitsversicherungen können als Zusatzversicherungen oder als eigenständige Versicherungen abgeschlossen werden. Als Zusatzversicherungen werden diese häufig mit einer Risikolebensversicherung oder einer Rentenversicherung beziehungsweise einer Lebensversicherung mit Kapitalanteil kombiniert. In der Regel ist es für den Versicherungsnehmer jedoch günstiger eigenständige BU-Versicherungen abzuschließen. Nur selten lohnt sich eine Kombination von BU und Risikolebensversicherung. Oft bieten Anbieter spezielle Konditionen für eine kombinierte BU- und Risikolebensversicherung an. Von einer Kombination aus Berufsunfähigkeitsversicherung und Rentenversicherung bzw. Lebensversicherung mit Kapitalanteilen kann fast vollständig abgeraten werden. Durch den Kapitalanlagenanteil in solchen Produkten wird der ohnehin schon hohe Beitrag für die Berufsunfähigkeitsversicherung nochmals deutlich erhöht. Um den Beitrag dennoch niedrig zu halten, wird daher oft eine niedrige BU Rente vereinbart. Zusätzlich gibt es bei diesen Produkten das Problem, dass der Versicherungsnehmer seinen Versicherungsschutz verliert, wenn er sich den Beitrag aufgrund eines finanziellen Engpässen nicht mehr leisten kann.

Wahrheitsgemäße Beantwortung aller Gesundheitsfragen bei der BU

Beantworten Sie die Gesundheitsfragen auf jeden Fall der Wahrheit entsprechend. Krankheiten verschweigen oder verharmlosen hilft hier wenig! Im Falle einer Berufsunfähigkeit oder Erwerbsunfähigkeit wird die Versicherungsgesellschaft ihre Krankengeschichte kontrollieren und abgleichen. Treten Unstimmigkeiten auf, folgen langwierige und teure Gerichtsprozesse. Teilweise verzichten Versicherungsgesellschaften auf eine vollständige Krankenakte und fragen nur die letzten Jahre ab. Eventuell ist es daher sinnvoll, mit dem Abschluss einer BU zu warten, bis eine Krankheit nicht mehr angegeben werden braucht. Zusätzlich werden Versicherungsnehmer bei der Beantragung häufig aufgefordert, ihre behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden. Eine pauschale Entbindung aller behandelnden Ärzte ist jedoch nicht sinnvoll und sollte daher nicht getätigt werden.

Dynamik der BU Beiträge

Zusätzlich sollte in den Versicherungsbedingungen neben der bereits erwähnten Nachversicherungsgarantie auch eine Dynamik der Beiträge vereinbart werden. Bei einer Beitragsdynamik steigt der Beitrag zwar jährlich um beispielsweise drei Prozent, ihre zukünftige BU Rente steigt dadurch allerdings auch und fängt somit eventuelle Kaufkraftverluste durch Inflation auf. Der Versicherungsnehmer sollte jedoch darauf achten, dass der Beitrag durch diese Dynamik nicht zu hoch wird.

Eine grundsätzlich sinnvolle, aber kostenpflichtige Leistungsklausel ist die garantierte Dynamik der Rente. Hiermit wird vereinbart, dass die Rente jährlich steigt. Auch hierdurch sollen inflationsbedingte Kaufkraftverluste aufgefangen werden. Viele Versicherungen bieten ihren Kunden auch steigende Renten an, wenn die Versicherungsgesellschaft Gewinne macht. Das ist jedoch schwer vorhersehbar und kaum kontrollierbar. Der Einbau einer garantierten Leistungsdynamik ist daher ratsamer, aber auch teurer.

Laufzeit der BU

Auch eine lange Laufzeit sollte vereinbart. Häufig enden Berufsunfähigkeitsversicherungen in einem Alter, in dem kaum ein Versicherungsnehmer berufsunfähig oder erwerbsunfähig wird. Versicherungsgesellschaften senken mit einem frühen Ende der Versicherung ihr Risiko, dass sie leistungspflichtig werden. Eine BU sollte daher nach Möglichkeit bis zum Renteneintrittsalter laufen, um auch eine Berufsunfähigkeit kurz vor Renteneintritt abzusichern.

Anzeigenpflicht nach Abschluss der BU

Sinnvoll kann es sein, mit der Versicherungsgesellschaft einen Nachanzeigenverzicht zu vereinbaren. Hiermit wird geregelt, dass der Versicherungsnehmer nicht anzeigen muss, wenn sich seine Lebensumstände wie der Beruf und die Hobbys ändern. Es muss somit nicht angezeigt werden, wenn ein harmloser Bürojob gegen eine gefährlichere Aufgabe auf einer Baustelle getauscht wird.

Fazit: Ist eine Berufsunfähigkeits­versicherung sinnvoll für mich?

Insgesamt lässt sich feststellen, dass im Hinblick auf die schweren finanziellen Folgen einer Berufsunfähigkeit jeder Berufstätige eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen sollte. Selbst wenn das persönliche Risiko gering sein sollte, profitiert der Versicherungsnehmer von einer finanziellen Absicherung. Ist der Versicherungsnehmer erstmal berufsunfähig, nützt es ihm herzlich wenig, wenn sein Schicksal eine absolute Ausnahme darstellt.

Wer sich keine Berufsunfähigkeitsversicherung leisten kann, sollte zumindest über eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung nachdenken. Diese Versicherungen leisten zwar nicht so schnell wie Berufsunfähigkeitsversicherungen, allerdings ist der Versicherungsnehmer bei dieser Versicherung zu einem günstigeren Beitrag auch finanziell abgesichert.

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HEPSTER-HACK

Du musst eine Steuererklärung machen und fragst Dich, ob die Berufsunfähigkeitsversicherung steuerlich absetzbar ist? Beiträge zur BU werden in der Steuererklärung als Sonderausgaben angegeben. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist jedoch nur dann steuerlich absetzbar, wenn die Beiträge für Deine Kranken- und Pflegeversicherung unter 1.900 Euro (Angestellte) bzw. 2.800 Euro (Selbstständige) liegen.

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